1.5.3 Winddichte

Winddichte spielt in den bisherigen Betrachtungen von Konstruktionen kaum eine Rolle, wohl auch weil oft die Winddichte mit der Luftdichtheit von Gebäuden vertauscht wird. Diese sind aber keinesfalls gleichzusetzen, die Luftdichtheit von Gebäuden soll den aktiven Luftaustausch der Raum- und Außenluft verhindern, um das Gebäude vor erhöhten Wärmeverlusten und deren Begleiterscheinungen zu schützen. (siehe Abschnitt 1.5.4)
Während die Luftdichtheit üblicherweise auf der Innenseite der Außenbauteile angesetzt wird muss auf die Winddichte von außen geachtet werden. Grund hierfür ist bei ungenügend winddichten Konstruktionen die Durch- und Unterströmung der Dämmung. An solchen Stellen kann die Dämmung kaum die gewünschte Wirkung erzielen.
Diese Schwachstelle ist bei den Außenwänden durch die geschlossene Konstruktion der Tafeln weitgehend, verhindert. Auch wenn die äußere Beplankung Fehlstellen aufweist, ist eine Durchströmung der Gefache, da nur einseitig geöffnet, kaum gegeben. Ein Durchströmen ist nur bei vorhanden Zu- und Abluftöffnungen möglich.
Sehr deutlich wird die Schwachstelle bei allen im Bereich der Deckentafel und der Traufe. Es ist hier ein ungehinderter Luftaustausch zwischen Luftschicht im Gefach der Deckentafel und der Außenluft möglich, die Abseite verhält sich wie eine luftdurchströmte Röhre.

Abb. 1-44 Winddichte (Okal)
Abb. 1-44 Winddichte (Okal)

Offenliegende Mineralwolle wird, wie aus Untersuchungen bekannt ist, bis zu 30%, je nach Strömungsintensität und Struktur, mit Kaltluft durchströmt. Dieser Bereich ist für die Dämmwirkung dann nahezu unwirksam, der Wärmedurchgang des Gesamtbauteils wird erheblich verschlechtert.
Bei ausgebautem Dachgeschoss und somit wärmegedämmten Dachschrägen kann die durchströmende Luft ebenso in die Gefache der Dachschrägen eindringen. Zwar wird bei den meisten Herstellern ein Unterdach in Form einer harten Beplankung, oder, im Falle von OKAL, eine aluminiumkaschierten Folie eingebracht. Diese ist aber weder winddicht, noch hat sie eine besonders hohe Lebenserwartung.

Noch einmal zurück zu den Wandtafeln. Waren die meisten Hersteller 1967 bzw. 1969 schon zur Großtafelbauweise übergegangen, produzierte Streif die Elemente noch immer in der Kleintafelbauweise. Dies hat eine Vielzahl an vertikalen Fugen zu Folge. Mit Dichtungsbändern und Holzleisten (Abb. 1-45 Elementstoß (Streif) wurden hier die "Abdichtungen" geschaffen, deren Dauerhaftigkeit zweifelhaft ist. Vor allem beim Auftreten verschiedenen Imperfektionen der seitlichen Rippen, in Maßhaltigkeit oder Verformung.

Abb. 1-45 Elementstoß (Streif)
Abb. 1-45 Elementstoß (Streif)

Auch wenn eine direkte Durchströmung unwahrscheinlich ist, kann doch die kalte Außenluft in diese Fugen bis zur inneren Beplankung eindringen. Ein verminderter Wärmedurchgang infolge einer stehenden Luftschicht ist hier nur bedingt zu erwarten. Eine Wärmebrücke ist auf jeden Fall vorhanden. Weisen diese Stellen zusätzlich Fehlstellen an der innenseitigen Beplankung (hier: Spanplatte und Gipskarton) auf, ist die Gefahr von konvektiven Schäden ungemein höher.

Bei in Großtafelbauweise produzierenden Herstellern ergeben sich diese Probleme zumindest im Eckanschlussbereich der Tafeln. Von OKAL ist bekannt, dass an diesen Stößen zwei Dichtungsbänder eingelegt wurden.

Abb. 1-46 Abdichtung, OKAL 1974
Abb. 1-46 Abdichtung, OKAL 1974
Abb. 1-47 Abdichtung, OKAL - 1978
Abb. 1-47 Abdichtung, OKAL - 1978

1. Allgemeine Beschreibung des Fertighausbaus der Jahre 1950 bis 1980
2. Sanierungs- und Modernisierungsziele, bautechnische Anforderungen der Gegenwart
3. Sanierungsmethoden
4. Sanierung am Fallbeispiel
5. Schlussbetrachtung
6. Berechnungsanhang
7. Quellenangabe und Abbildungsnachweise