2.4.3.2 Holzschutzmittel

Seit Einführung der Chemischen Holzschutzmittel wurden immer wieder Mittel verboten oder vom Markt genommen, da neue Erkenntnisse deren Toxizität dem menschlichen Organismus gegenüber feststellten.
Generell ist festzustellen, dass der menschliche Organismus dem der Holzschädlinge biologisch sehr ähnlich ist und daher Gifte auf beiden Seiten wirken.
Eine Bewertung von den in Abschnitt 1.3.4 aufgezählten Inhaltsstoffen nach deren toxikologischem oder kanzerogenem Potential kann hier nicht unternommen werden ­ schon bedingt durch die Tatsache, dass jedem Holzschutzmittel verschiedene Inhaltsstoffe zu unterschiedlichen Konzentrationen beigemengt wurden. Erwähnt sei nur die folgende Wirkung einer Dauerbelastung mit Schadstoffen, die chemische Sensibilisierung. Holzschutzmittel und vor allem giftige chemische Inhaltsstoffe haben keinesfalls bei jedem Menschen die gleiche Wirkung. Alte, Kranke und Kinder haben ein ungleich höheres Risiko, Schäden davon zutragen. Und auch gesunde junge Menschen können durch die ständige Belastung und den Kontakt mit Schadstoffen eine chemische Sensibilisierung entwickeln. Wenn nach Jahren die eigentliche Belastung durch Primärquellen durch Diffusion und Luftaustausch weit abgeklungen ist, reagiert dieser Personenkreis noch immer auch auf kleinste Spuren dieser Schadstoffe. Im Hinblick auf diese Art der Sensibilisierung sind Grenzwerte der Höchstbelastungen nicht akzeptabel, da nur die vollständige Entfernung der emittierenden Stoffe wirksam ist.

Für die wenigsten Inhaltsstoffe sind bestimmende Grenzwerte gesetzlich festgelegt, es kann hier also nur auf die Bewertung verschiedener Institute zurückgegriffen werden, bzw. aus inhaltlich ähnlichen Vorgaben (MAK-Werte) geschlossen werden.
Ein Maßstab ist hier die vom ehemaligen Bundesgesundheitsamt herausgegebene MRK 12-Liste. Diese wurde allerdings seit 1991 nicht erneuert und kann hier nur als Ergänzung dienen.
Als Informativ haben sich die Kriterien des Bremer Umweltinstituts erwiesen, auf dessen Bewertung hier Bezug genommen wird.

Angemerkt sei dennoch, dass grundsätzlich darauf hingearbeitet werden sollte, nicht nur die angegebenen Höchst- und Grenzwerte zu unterschreiten, sondern eine vollständige Beseitigung der Schadstoffquellen anzustreben. Erst wenn dies nicht möglich ist, sollten im Ergebnis die geforderten Höchstwerte der jeweiligen Schadstoffe zumindest unterschritten sein.

MRK ­ Wert Stand 1991

Wirkstoff MRK-Wert (µg/m³)
Pentachlorphenol 1
Lindan 1
Bis-tributylzinnoxid 0,5
Chlorthalonil 20
Dichlofluanid 120
Endosulfan 6
Xyligen Al 10
Carbendazim 20

Bewertung des Bremer Umweltinstituts

PCP Hintergrund-
belastung
geringe
Belastung
deutliche
Belastung
hohe
Belastung
sehr hohe
Belastung
Luft < 0,025 µg/ m³ 0,25 ­ 0,1 µg/ m³ ab 0,1 µg/m³    
Hausstaub < 1 mg/ kg 1 - 2 mg/ kg 2 - 5 mg/ kg 5 ­ 30 mg/kg über 30 mg/kg
Holz 0,1 - 1 mg/ kg bis 30 mg/ kg 30 - 200mg/ kg 200 ­ 1000 mg/kg über 1000 mg/kg

 

Lindan Hintergrund-
belastung
geringe
Belastung
deutliche
Belastung
hohe
Belastung
sehr hohe
Belastung
Luft < 0,025 µg/ m³ 0,25 ­ 0,1 µg/ m³ ab 0,1 µg/ m³    
Hausstaub < 0,3 mg/ kg bis 1 mg/ kg 1 - 3 mg/ kg 3 ­ 15 mg/kg über 15 mg/kg
Holz < 1 mg/ kg 5 mg/ kg 5 - 30 mg/ kg 30 ­ 100 mg/kg über 100 mg/kg

In Ermangelung weiterer Daten gilt diese Tabelle auch für folgende Stoffe:
Chlorthalonil, Dichlofluanid, Endosulfan, Permethrin

Die für die Sanierung von PCP belasteten Gebäuden wirksame Richtlinie ist die so genannte PCP-Richtlinie (Richtlinie für die Bewertung und Sanierung Pentachlorphenol-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden, Fassung Oktober 1996), in der Umgang mit PCP- belasteten Bauteilen und deren Sanierung beschrieben sind.
Die hier beschriebene Vorgehensweise können auch bei der Sanierung anderweitig mit Holzschutzmitteln belasteter Gebäuden angewandt werden.

Eine weitere Belastung durch Holzschutzmittel äußert sich nicht in einer toxikologischen Wirkung, sondern vielmehr im Wohnkomfort und dort in der Geruchsentwicklung.
Beim Abbau von PCP entstehen Chloranisole. Diese Chloranisole sind sehr geruchsintensiv und werden als schimmelig-muffig assoziiert, wobei die Geruchsschwelle bei jedem unterschiedlich hoch ist. Hier gibt es, da nicht gesundheitsschädlich, weder Richt- noch Höchstwerte.
Ebenso geruchsintensiv ist das Chlornaphtalin, dessen typischer muffig-süßlicher Geruch dem Naphthalin vergleichbar ist.


1. Allgemeine Beschreibung des Fertighausbaus der Jahre 1950 bis 1980
2. Sanierungs- und Modernisierungsziele, bautechnische Anforderungen der Gegenwart
3. Sanierungsmethoden
4. Sanierung am Fallbeispiel
5. Schlussbetrachtung
6. Berechnungsanhang
7. Quellenangabe und Abbildungsnachweise