1.4.1 Das Fertighaus von OKAL

Die Firma OKAL war bis 1958 eine Tischlerei, in der man sich schon lange mit dem Gedanken trug, Fertighäuser herzustellen. Möglich war dies durch die vorangegangene maßgebliche Entwicklung der Röhrenspanplatte (siehe auch Abschnitt 1.3.1.2.2). Die ersten Prototypen von Fertighäusern wurden schon Jahre früher (1951) auf dem Werksgelände errichtet und wiesen den Weg für OKAL, vollständig in das Fertighausgeschäft einzusteigen.

Anfangs benutzte man die Röhrenspanplatte als Verbundplatte und zur Beplankung der Außenwände. Die innere Beplankung war beidseitig mit einer 2,5 mm dicken harten Holzfaserplatte, die Äußere mit 2,5 mm Sperrholz verkleidet. Für die nicht tragenden Innenwände kamen größer dimensionierte Röhrenspanplatten zum Einsatz.

Abb. 1-12 Verbund aus Röhrenspanplatte und Holzfaserplatte
Abb. 1-12 Verbund aus Röhrenspanplatte und Holzfaserplatte

Spätestens 1967 wurden Gebäude mit außenliegender verputzter Röhrenspanplatte auf Herstellerkosten saniert und mit einer Bekleidung aus Asbestfaserzementplatten versehen.

Die von OKAL angebotenen Häuser sind eingeschossig, mit oder ohne ausgebautem Dachgeschoss. Die Dächer waren in Neigung und Art variabel, mit 28° und 38° als Sattel- und Walmdach und mit 48° als Satteldach. Als Hausformen waren sowohl rechteckige als auch Winkelhäuser und in ihrer architektonischen Gestalt, freistehende, angereihte und Reihenhäuser im Lieferprogramm.

Anhand eines Gebäudeschnittes lässt sich die Bauweise von OKAL im Einzelnen verdeutlichen:

Abb. 1-13 Längsschnitt OKAL 1969
Abb. 1-13 Längsschnitt OKAL 1969

Dach und Decke

Überwiegend wurden und werden bei OKAL Satteldächer als Sparrendächer gefertigt. Die Besonderheit: Die Sparren bestehen aus einem zusammengesetzten Doppel-T Profil mit einer Stegdicke von 30 mm. Was nach heutigen energetischen Gesichtspunkten fortschrittlich erscheint, wurde zu dieser Zeit als rein materialrationelle Bauweise betrachtet. Da eine Leimbescheinigung und die nötigen Werkzeuge vorhanden waren, wurden die Dachprofile im eigenen Werk produziert.
Das Prinzip des Sparrendaches (das Zusammenwirken des Gebindes aus dem Sparrenpaar als Druckglieder und dem Deckenbalken als Zugband) ist allgemein bekannt. Die Kraftübertragung von den Sparren zum Deckenbalken erfolgt durch eine Knagge (1), befestigt am unteren Flansch des Sparrenprofils, und einem im Deckenbalken eingelassenen Versatz. Der Verbund wurde mittels einer Holzlasche (2) gewährleistet.
Spezielle Stahlprofile wie Sparrenschuhe kamen erst später zum Einsatz.

Abb. 1-14 Traufbereich
Abb. 1-14 Traufbereich

Die Unteransicht im Traufbereich bestand aus der nach außen auskragenden unteren Deckentafelbeplankung (3). Dieser Bereich wurde mit Füllhölzern (4) verstärkt und im Schnittpunkt mit dem oberen Flansch (5) des Sparrenprofils verbunden.
Tafelelemente für den Dachbereich vorzufertigen, hatte sich 1969 noch nicht durchgesetzt, so dass jedes Sparrenpaar im Abstand von 1.25 m einzeln errichtet wurde.
Eine Aussteifung des Daches soll durch, im Gefach, überkreuzt angebrachte Holzstäbe erreicht werden.

Die Deckenelemente wurden in der Rasterbreite von 1.25 m und in Längen von 8.75 m bis 10.50 m hergestellt. Das Hauptraster wurde im Drittelrasterabstand (46,67 cm) unterteilt.

Es wurde zwischen zwei verschiedenen Aufbauten für Deckenelemente unterschieden: Geschossdecke bzw. Decke über Erdgeschoss und Dachdecke bzw. Flachdach.

Abb. 1-15 Geschossdecke
Abb. 1-15 Geschossdecke
Abb. 1-16 Dachdecke bzw. Flachdach
Abb. 1-16 Dachdecke bzw. Flachdach

Wand

Abgesehen von der Fassadenbekleidung aus Asbestfaserzementplatten oder Klinker, hatten sich 1969 bei OKAL zwei wesentliche Wandaufbauten etabliert. Diese beiden Typen konnten in Breiten von 5.00 m bis 12.50 m produziert werden, wobei die Höhe der Wandelemente immer bei 2.55 m lag. Beispielhaft sind hier die mit Asbestfaserzementplatten verkleideten Wandelemente dargestellt.

Abb. 1-17 Aufbau A
Abb. 1-17 Aufbau A

Die Maße der Innenrippen liegen bei 30/90 mm, nach Herstellerangaben liegt der Wärmedurchgangskoeffizient im Mittel bei U = 0,51 W/m²K (Umgerechnet aus dem angegebenen Wärmedurchlasswiderstand 1/ = 2,25 m²h°C/kcal).
Die als Witterungsschutz außenseitig angebrachte verputze Asbestfaserzementplatte war alle 1.25 m gestoßen. Aufgrund der großen Wärmedehnzahl der Fassadenplatten, bedingt durch die beinhalteten Asbestfasern, wurde an jedem Plattenstoß eine Dehnfuge angeordnet, die nicht überputzt wurde und von außen sichtbar blieb.

Die Verbindung zweier Elemente dieses Aufbaus untereinander wurde auf folgende Art gelöst:

Abb. 1-18 Eckverbindung Aufbau A
Abb. 1-18 Eckverbindung Aufbau A

Die stirnseitige Abdeckung des durchlaufenden Elementes wurde mit Spanplatten- (1) und Asbestfaserzementplattenstreifen abgedeckt. Die charakteristischen Fugen wiederum blieben erhalten, nur durch ein Aluminiumprofil (2) abgedeckt. An der Verbindungsfuge (3) wurde [ab 1974] ein Dichtungsband eingelegt.

Unabhängig von allen Rastermaßen innerhalb der Wandelemente wurde die Röhrenspanplatte von OKAL für den Einsatz als tragendes und aussteifendes Wandelement weiterentwickelt.

Abb. 1-19 Aufbau B
Abb. 1-19 Aufbau B

Schon beim Verpressen der Platte wurden die Hohlräume mit einem Schaumkunststoff (Polystyrol) ausgefüllt. Durch die auf den Plattenoberseiten angebrachten halbkreisförmigen Aussparungen konnte sowohl Material gespart als auch die Elektroinstallation untergebracht werden. Um Verformungen durch schon geringe Feuchteeinwirkung zu vermeiden wurde beidseitig vollflächig eine 6 mm dicke Furnierschichtplatte mit feuchtebeständiger Verleimung (AW 100) aufgebracht.

Der Wärmedurchlasswiderstand ist mit 1/ = 1,95 m²h°C/kcal angegeben, was ca. einem U = 0,59 entspricht. Dies ist vor allem auf den hohen Holzanteil der Röhrenspanplatte zurückzuführen.

Abb. 1-20 Eckverbindung Aufbau B
Abb. 1-20 Eckverbindung Aufbau B

Schon bei der Herstellung der Elemente wurde darauf geachtet, an welchen Stellen Eckverbindungen und Wandanschlüsse vorgesehen waren. Um eine größere Stabilität zu erlangen, wurden die Röhren hier nicht mit einem Schaumkunststoff, sondern mit Holzeinlagen gefüllt. Die stirnseitige Abdeckung erfolge gemäß Aufbau A durch Plattenstreifen (1) und Aluminiumprofile (2).


1. Allgemeine Beschreibung des Fertighausbaus der Jahre 1950 bis 1980
2. Sanierungs- und Modernisierungsziele, bautechnische Anforderungen der Gegenwart
3. Sanierungsmethoden
4. Sanierung am Fallbeispiel
5. Schlussbetrachtung
6. Berechnungsanhang
7. Quellenangabe und Abbildungsnachweise