1. Allgemeine Beschreibung des Fertighausbaus der Jahre 1950 bis 1980

1.1 Einleitung

1.1.1 Der Begriff Fertighaus und seine Definition

Am Anfang einer Arbeit über Fertighäuser steht wohl die Definition des Begriffs "Fertighaus", da es hier speziell um Holzfertighäuser geht beschränkt sich diese im Folgenden auf die Definition des Begriffs Fertighaus im Sinne von Holzfertighaus.
Mangels einer offiziellen Definition versuche ich den Begriff anhand des Sprachverständnisses und dem sinngemäßen Gebrauch dieses Wortes in der deutschen Sprache zu erklären.
Der Begriff Fertighaus hat sich für eine Bauart durchgesetzt, die sich sinngemäß so zusammenfassen lässt:

"Als Fertighaus wird ein Haus bezeichnet, wenn es industriell vorgefertigt, in Teilen an die Baustelle geliefert und dort endmontiert wird."
(http://de.wikipedia.org/wiki/Fertighaus [27.10.04 - 12:59 Uhr])

Aber was bedeutet das nun?

Wie "fertig" muss ein Haus das Herstellerwerk verlassen, damit es zu einem Fertighaus wird?
Welche Materialien dürfen oder müssen verwendet werden?

Zerlegen wir doch einmal ein Holzfertighaus in seine Bestandteile.
Ein beliebiges Gebäude besteht aus Wänden, einer Decke und ­ sofern diese nicht als Dachdecke ausgebildet ist ­ aus einem Dach. All diese gründen auf einer Bodenplatte, entweder voll-, teil-, oder nicht unterkellert.
Wenn all diese Elemente als komplett gefertigtes Haus auf die Baustelle geliefert werden, kann man zweifelsohne von einem Fertighaus sprechen. Die heutigen Ansprüche an die Größe eines Wohnhauses lassen sich aber kaum mit dem Umstand der Beschränkung von Transportgrößen vereinbaren, so dass höchstens ein Gebäude von der Größe einer Gartenhütte als Fertighaus in diesem Sinne gelten kann.
Die oben genannte sinngemäße Definition enthält hierzu eine weitere Vereinfachung. Das Haus wird in Teilen an die Baustelle geliefert. Dies lässt dem Hersteller also die Freiheit sein Haus ein Fertighaus zu nennen, wenn er Wände, Dach und Decke einzeln auf die Baustelle transportiert und dort montiert.
Inwieweit diese Elemente vorgefertigt sein müssen geht aus der sinngemäßen Definition nicht hervor, so dass dies hier nicht eindeutig geklärt werden kann. Im modernen Fertighausbau ist es nicht unüblich, Häuser als so genanntes "Ausbauhaus" anzubieten, so dass z.B. Wandelemente nur einseitig beplankt zur Baustelle geliefert und zu einem Haus montiert werden. Auch dann spricht man von einem Fertighaus.

Im Holzfertighausbau ist Holz das überwiegend verwendete Material, sei es als Nadelschnittholz, also Vollholz oder in Form von Platten, als Holzwerkstoffe. Der einfache Begriff Fertighaus schließt hier nichts aus. Aus der Historie heraus versteht die Mehrheit aber unter einem Fertighaus ein Haus, dessen Elemente aus Holz und Holzwerkstoffen bestehen.
Allerdings gab es vor allem zu Beginn des Fertighausbaus in Deutschland auch Bestrebungen, Fertighäuser aus anderen, massiven Baustoffen zu errichten. Beton und Porenbeton waren die favorisierten Stoffe, welche auch im Fertighausbau Verwendung fanden. Aber auch Typenhäuser aus Stahl und Kunststoff wurden errichtet. "Quelle" vertrieb Anfang der 60er Jahre ein Haus, dessen Tragkonstruktion aus auf Betonstützen getragenen Decken bestand. Die Wände waren als nicht tragende Tafeln zwischen die Pfosten gestellt. Hebel, auch Heute noch der Begriff für Porenbetonsteine, hatte ebenfalls in den 60er Jahren eine führende Position im Fertighausbau.
Vor allem Beton ist nach wie vor der Baustoff um Elemente vorzufertigen, allerdings hat er im klassischen Ein- und Zweifamilienhausbau seine Bedeutung als großformatiges Bauteil verloren.

Um das Holzfertighaus weiter zu erklären, ist es nützlich einmal zu betrachten, was der potentielle Bauherr von einem Fertighaus erwartet und welche Erwartungen sich entwickelten.

  • Vor allem in den 50er Jahren herrschte, aufgrund des 2. Weltkrieges, eine große Wohnraumknappheit. Ein schnelles und rationelles Bauen war gefragt.
  • Wer nicht die Zeit oder die Nerven hatte, sich mit einem Architekten auseinanderzusetzen um sein Individuelles Traumhaus zu planen, konnte aus einer Reihe vorgeplanter Varianten seinen Favoriten auswählen. Man hatte die Möglichkeit, diese noch geringfügig zu variieren.
  • Die Bauplanung und Ausführung liegen bei einem Hersteller, der als Generalunternehmer auftritt. Der Bauherr hat volle Mitbestimmung, muss sich aber nicht selbst um die Abläufe kümmern. Das "Schlüsselfertige Bauen" kommt in Mode.
  • Das Fertighaus wird im Werk sehr weit vorgefertigt und kommt in Form von Decken- und Wandtafeln auf die Baustelle, was zu einer erheblichen Verkürzung der Bauzeit führt. Bedingt durch die schnelle und rationelle Bauausführung ergibt sich ein finanzieller Vorteil.
  • Durch die Einführung des "Ausbauhauses" ist es den Bauherren möglich, durch Eigenleistungen den Preis weiter zu senken.

Wenn man all diese Aspekte berücksichtigt kann folgende Definition für ein Holzfertighaus als richtig und sinnvoll übernommen werden [aus: Moderner Holzhausbau in Fertigbauweise / Teil1, Meyer, W. Literaturangabe Nr. [1]:

"Unter Holzfertighausbau fallen alle Häuser, deren Wand-, Decken und Dachtafeln in ihrer Tragkonstruktion aus dem Baustoff Holz bestehen. Wand-, Decken- und ggf. auch Dachtafeln werden werkseitig mindestens einseitig geschlossen vorgefertigt. Der Haushersteller fungiert vertragsrechtlich als Generalunternehmer."


1. Allgemeine Beschreibung des Fertighausbaus der Jahre 1950 bis 1980
2. Sanierungs- und Modernisierungsziele, bautechnische Anforderungen der Gegenwart
3. Sanierungsmethoden
4. Sanierung am Fallbeispiel
5. Schlussbetrachtung
6. Berechnungsanhang
7. Quellenangabe und Abbildungsnachweise